Mittwoch, 5. November 2008

Von Pfannen, Mäusen und grünen Zweigen

Auf ein neues, jeden Tag. Inzwischen gibt's hier so etwas wie den Zustand, den man als "Alltag" bezeichnen könnte, auch wenn er nicht deckungsgleich mit der Definition des Wortes bei wikipedia.de ist. Ich zitiere:
"Unter Alltag versteht man routinemäßige Abläufe bei zivilisierten Menschen im Tages- und Wochenzyklus."
Vielleicht muss man wiederum mehrere Begriffe dieser Definition definieren, um den Unterschied zwischen dem deutschen und griechischen Verständnis von "Alltag" herauszuarbeiten. Ich versuch's kurz zusammenzufassen: Wenn ich an meine Tübinger Zeit zurückdenke (das tu ich gerne - Grüßle an alle!), bedeutet Alltag (im folgenden ist Alltag = "Unialltag"): Gemäß dem Stundenplan an die Uni gehn, selbstredend "c.t." (cum tempore - also immer 15min später als eigentlich auf dem Plan steht), dann im Seminar / der Vorlesung sitzen, in den Pausen Kaffee trinken oder in der Bibliothek "lernen", und am Ende des Tages die Uni verlassen. Soweit zum deutschen Verständnis von Alltag.

Doch schon nach wenigen Wochen Griechenland (und vor allem Uni in Griechenland!) wandelt sich dieses Verständnis, und zwar vom im Deutschen i.d.R. gemeinten "geordneten Alltag" hin zum "chaotischen Alltag". Denn ein Tag an der Uni verläuft hier ungefähr so: Gemäß dem Stundenplan an die Uni gehn - selbstredend c.t., nicht weil es allgemein anerkannt ist, sondern weil eh alle zu spät kommen. Bevor man allerdings - wenn man Glück hat - in einer Vorlesung oder einem Seminar sitzt, heißt es erst einmal abwarten. Es ist durchaus möglich, dass der Lehrkörper nicht erscheint. Mir selbst in den wenigen Wochen pro Woche 1-2 Mal passiert. Wenn dann alle Studenten gegangen sind, weil die Dozentin nicht kommt, geht's also wieder heim. Wenn der Lehrkörper/ die Lehrkörperin erscheint, und man hat offiziell von 10-14 Uhr Unterricht, kann man getrost davon ausgehen, das dieser um frühestens 10.30 Uhr beginnt und um spätestens 12 Uhr vorbei ist. Mindestens drei Mal habe schon ich die 30-45minütige Fahrt zur Uni (je nach Verkehr) auf mich genommen, um 'ne Stunde zu warten und dann wieder heim zu gehen. das macht munter, kann ich euch sagen! Es kann auch durchaus passieren, dass man gerade leider nicht an die Uni fahren kann, da die Busfahrer oder die Metro-Fahrer streiken - selbst wenn das nicht der Fall ist, kann auch vorkommen, dass das Lehrpersonal an der Uni streikt, oder das Bibliothekspersonal (natürlich bekommt das nur durch Zufall im Vorhinein mit). Morgen zum Beispiel soll das Lehrpersonal an der Uni streiken - unsere Sprachkurslehrerin wusste aber noch nichts davon, und hat gesagt, dass wir morgen Unterricht haben - allerdings bei einer anderen Lehrerin. Wenn diese aber nun von dem Streik weiß...Na ja, ich hab' ja wenig besseres zu tun als den ganzen Tag Bus zu fahren und dumm rumzusitzen.

Ich hoffe, die Unterschiede sind einigermaßen klar geworden...Es trainiert zwar die Geduld, hier zu studieren, aber in aller Regel scheint es - zumindest aus meiner "deutschen Sicht" - eher nervig und als unnütze Zeitverschwendung. Kein Wunder, dass die Griechen seit der Antike nicht mehr viel auf die Reihe bringen (auch wenn sie selbst das natürlich anders sehn - ich entschuldige mich bei allen griechischen Blog-Lesern [ich find's trotzdem toll hier :-)]!)...

Immerhin hab' ich jetzt Anschluss gefunden an ein paar waschechte Griechen, und zwar in der "Ersten griechisch-evangelischen Gemeinde in Athen". Das heißt: Sprachtrainigspartner, und auch wenn ich mich momentan noch nicht soooo viel mit ihnen unterhalten kann, ich hoff' das gibt sich bald (Hey - immerhin kann ich neben dem Präsens inzwischen auch Futur, Verangenheit und Aorist (=punktuelle Vergangenheit). Ich lebe also - sprachlich gesehen - nicht mehr nur in der Gegenwart!). Und 'nen schönen Ausblick gibt's von einem der Gemeinderäume, und zwar einen, den ich euch nicht vorenthalten möchte:



Meine Zeilen des Tages:
Da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt,
wenn sich der Lehrer vor dem Unterricht drückt.
Er kommt und kommt nicht in das Zimmer,
also komm' ich irgendwann auch nimmer!

Da beißt die Maus kein Faden ab,
Alltag? Chaos, papperlapapp!
Sitzen und warten und dumm gucken,
ohne mit der Wimper zu zucken.

So kommt man nicht auf einen grünen Zweig,
es sei gesprochen: That's what's like!
Das Wetter ist warm und schön hier - doch,
wer braucht denn da die Uni noch?

4 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Sind wenigstens alle Bücher in der Bibliothek da oder kmmt man da bei Streik gar nicht rein??

fabi hat gesagt…

haha, die bibliothek wär ein blog für sich wert. wer da ein buch sucht, hat sowieso verloren, da stehen höchstens 500-600 stück (in der GANZEN theologischen Bibliothek, mehrbändige Lexika eingerechnet). zum vergleich: tübingen hat ca. 200 000 Bücher (NUR theologische), Stand 2005)...also, das kannst völlig vergessen hier.

fabi hat gesagt…

ach ja, das sind so wenig bücher, dass es nicht mal einen suchcomputer gibt, da man die beiden (!) regale innerhalb von 5min durchgeschaut hat....

Anonym hat gesagt…

Bei dem Unterrichtsausfall kann man ja dann wohl in Ruhe bis Juni 09 die 500-600 Bücher durchlesen – vielleicht ist etwas aktuelles dabei--