Wenn man also das Glück hat, in so einem Öko-Vorreiter-Bus einen Steh-Quetschplatz ergattert zu haben, muss man nur noch hoffen, dass man da auch wieder rauskommt. Es ist schon öfter passiert, dass die Türen nicht mehr aufgegangen sind, weil's einfach zu voll war (klar, auch das hat seinen Grund: Die Leute könnten ja sonst aussteigen und auf den nächsten, leeren Bus warten und somit der Umwelt schaden und unnötige Kosten verursachen- alles ein gut durchdachtes System!).
Auch in Sachen Klimaanlage wird gespart: Hinweisschilder in jedem Bus teilen den Fahrsardinen (mangels eines passenderen Vergleichs muss ich diesen Begriff jetzt doch verwenden...) mit, die Fenster bitte geschlossen zu lassen, da der Bus klimatisiert sei. Und ich stelle fest, dass der Sardinenbüchsenvergleich vielleicht doch sehr passend ist: Denn die Klimaanlage funktioniert ungefähr so gut wie in einer solchen Büchse, wenn man sie in die pralle Sonne legt. So werden also die Fenster unter Missachtung jeglicher Warnungen weit aufgerissen, um wenigstens ein kleines, laues frisches Lüftchen über den Köpfen spüren zu können. Das ist bei 27 Grad Außentemperatur, wir wie sie gestern hatten, auch wirklich überlebensnotwendig (denn - und hier hinkt der Vergleich wieder - anders als die Sardinen sind die Passagiere der Busse in der Regel noch nicht tot)...!
Sobald ich wieder zurück in Deutschland bin, werde ich mich dafür einsetzen, diese klimaschonende Personenbeförderungsmethode auch bei uns durchzusetzen. Denn gerade in Sachen Klimaschutz hört der Spaß bei uns Deutschen ja bekanntlich auf (wir lassen uns schließlich auch sowas wie die abartig hohe Mineralölsteuer gefallen, in Griechenland wäre sofort alles zusammengebrochen, weil jeder streikt!): Man muss also jede Möglichkeit ernsthaft durchdenken und die Pro und Kontras abwägen. Und Kontras find' ich hier ehrlich gesagt keine, nur einige Pros:
- Man kommt seinen Mitmenschen näher
- Selbst im Winter kann auf die Heizung im Bus verzichtet werden
- Auch (oder gerade) im Sommer kann auch auf die Klimaanlage verzichtet werden, da sie sowieso nichts bringt, und alle Fenster offen sind
- Der nachfolgende Bus hat enorm weniger Benzinverbrauch, weil weniger Gewicht, ...
- ...und stößt dadurch auch weniger klimaschädliches CO2 aus!
- Man lernt viele Flüche auf griechisch (Gut - zugegeben, das Argument zieht in Deutschland nicht)
- Irgendwann braucht man gar keine Busse mehr, weil alle Leute laufen: Das ultimative Klimaschutz-Ziel ist erreicht!
Um die Türen muss ich mir ja keine Sorgen machen, die geh'n ja sowieso nicht mehr auf.
Meine Zeilen des Tages
Ob Büchse oder Bus das ist völlig gleich,
oft werden dir drinn' die Knie weich.
Weil's warm ist, eng und ohne Luft,
nass und schwitzend wird deine Kluft.
Doch gut ist's für unsere Mutter Erde,
wenn ich völlig zerquetscht werde.
Und da ich im Herzen ein Deutscher bin,
nehm' ich gelassen - und ohne Streik -
hin.
*Aber auch hier hab' ich schon eine Idee: Ich werde einfach die Hinweisschilder "Bitte Fenster nicht öffnen..." austauschen, und draufschreiben: "Bitte öffnen sie alle Fenster so weit wie möglich!" - da sich Griechen grundsätzlich jeder Anorndung widersetzen, sollte das funktionieren.
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