Samstag, 8. November 2008

Τί κάνεις; Είσαι καλά;

Das sind die Fragen schlechthin: Wie geht's dir? Geht's dir gut? Ich hab 'ne kleine Aufgabe für euch: Achtet mal drauf, wie oft ihr das gefragt werdet, pro Tag, pro Woche - und wie oft ihr's selber fragt. Schon in Deutschland ist mir aufgefallen, dass man ziemlich oft nach dem Wohlbefinden des Anderen fragt. Während meiner Zeit in Amerika wurde das Ganze noch extremer, denn das amerikanische "How are you?" ist ja auch schon fast zu Weltruhm gelangt - in vielen Fällen ein Synonym für die amerikanische "Oberflächlichkeit" und überschwängliche Freundlichkeit.

Doch Griechenland übertrifft alles. An jeder Ecke, überall, ob man die Leute kennt oder nicht. Der Grieche fragt, bevor er deinen Namen wissen will, erst einmal, ob's dir gut geht. Auch mein Professor fragt, wenn er durch's Unigebäude rennt, jeden erst einmal, ob's ihm gut geht - ich werde von seiner deutschen Variante, dem "Alles gut?" ebenfalls nicht verschont.

So ein Blog soll ja aber auch ein gesellschaftskritisches Medium sein (Soll es das? Eigentlich egal. Ich nutze es als solches...). Deshalb jetzt was zum Nachdenken. Was, wenn die Antwort auf die Frage negativ ausfällt? Das Gesicht des Fragenden wäre sicher in vielen Fällen ein Foto wert, denn das "So genau und ehrlich wollte ich's eigentlich nicht wissen" in seinen Gedanken ließe sich dort sicher problemlos erkennen. Vorausgesetzt, er hat zu dem Zeitpunkt der Antwort auf seine Frage überhaupt noch zugehört. In bestimmt der Hälfte der Fälle würde das - ich nenne es mal "Είσαι καλά;" - Gespräch so verlaufen:

Person 1: Ah, hallo! Und, alles klar - wie geht's dir?
Person 2: Hi! Ja du, mir geht's richtig schlecht. Alles Mist grad'.
Person 1: Ah ja, das ist ja super! Hört man gerne. Und der Familie?
Person 2: Ja, naja, läuft grad alles nicht so prickelnd. Eher überall Stress im Moment.
Person 1: Gut, gut, ja, schön dass es euch gut geht. Du, ich muss auch gleich weiter, hab grad leider gar keine Zeit. Also, mach's weiterhin gut, man sieht sich!

Man sollte das fast mal ausprobieren. Wenn man die Stimmlage so wählt, dass sie eine positive Antwort impliziert - ich wette, das würde manchen gar nicht auffallen! Man muss nur mit einem begeisterten "Ha, ja, mir gehts grad sooo Scheiße!" antworten - und die Bedeutung der Worte sind nebensächlich (das ist wie mit Hunden: Ein "du blöder Köter" in der richtigen Stimmlage kommt einem Leckerli gleich..). Aber inzwischen hat sich das ja in der Gesellschaft schon so eingespielt. Man ist fast schon verpflichtet zu fragen, wie's der anderen Person geht - das merkt man hier in Griechenland noch viel mehr als in Deutschland. Und bis auf sehr wenige Ausnahmen bekommt man die selbe Antwort (denn auch das ist schon fast zu einer "Verpflichtung" geworden): Gut. Und wenn die andere Person ehrlich antwortet, weil sie davon ausgeht, dass man wirklich interessiert ist, wird sie im Hinterkopf mit einem Post-it beklebt, auf dem steht: "Der/Die jammert immer nur 'rum". Die Frage ist nur: Bei wem liegt nur der Fehler? Bei demjenigen, der sich an die Konventionen gehalten hat und höflicherweise fragt, wie's einem geht, oder bei der Person, die es gewagt hat, ehrlich zu antworten? Bei keinem? Irgendwie scheint mir das alles etwas verdreht zu sein...

Ich jedenfalls für meinen Teil habe mir vorgenommen, diese Frage möglichst nur noch zu stellen, wenn ich bereit bin, mir von der entsprechenden Person auch eine Antwort anzuhören, die ehrlich sein könnte. Ich gebe zu, das ist nicht einfach (achtet mal drauf, und stellt euch die gleiche Frage: Will ich's wirklich wissen?)! Ich weiß auch schon, dass ich das nicht schaffen werde, aber das ist ja mit guten Vorsätzen meistens so.

In diesem Sinne stürze ich mich wieder in die "Τί κάνεις; Είσαι καλά;"- Welt da draußen in Griechenland und überlege mir, ob ich meinem Prof die Wahrheit sage, wenn's mir mal nicht so gut geh'n sollte...vermutlich nicht.

Meine Zeilen des Tages:
Gut, schlecht, mittel, mist.
Die Welt - sie ist so wie sie ist.

Die Fragen warten auf Antworten,

so mancher wartet auf Schokotorten.


Und stellst du die Frage, uninteressiert,

und wunderst dich dann dass es passiert:

Keine Ahnung was tun bei ner' ehrlichen Antwort.

Dann geh du, und iss 'ne Schokotort'.

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Umkehrfrage:

treffen sich zwei psychologen auf dem flur.
sagt der eine: dir gehts gut, das sehe ich. und wie gehts mir?

Anonym hat gesagt…

Ich gebe zu, das ist nicht einfach (achtet mal drauf, und stellt euch die gleiche Frage: Will ich's wirklich wissen?)! Ich weiß auch schon, dass ich das nicht schaffen werde, aber das ist ja mit guten Vorsätzen meistens so.---
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Ein angehender Pfarrer oder Hobbypsychologe oder was auch immer müßte das schaffen!!