Dienstag, 18. November 2008

ΕΝωτική ΑΝΤΙκαπιταλιστική Αριστερά

Dagegen! (Das ungefähr bedeutet der abgekürzte Name der Gruppierung ENANTIA, die hier mit einem Plakat für Vorträge wirbt). Wie aus dem Titel der Veranstaltung, "Die Krise und die Antwort der antikapitalistischen Linken", unschwer zu erkennen ist, handelt es sich hierbei um eine der zahlreichen kommunistischen Gruppierungen in Griechenland: Kommunismus scheint hier so eine Art Modeerscheinung zu sein. Wer Kommunist ist, ist cool. Und wer kommunistischer Anarchist ist, ist der obercoolste. An der Uni stehen Dutzende Werbestände sämtlicher kommunistischer Parteien, die um die Gunst der Studenten ringen - mit einfachen Parolen, die alle eines gemeinsam haben: Sie wenden sich lautstark gegen das kapitalistische System. Ganz nach dem Motto: Hauptsache dagegen. Es ist schließlich cool, dagegen zu sein - und außerdem, wenn man nicht dagegen ist, kann man auch nicht demonstrieren. Und wenn man nicht demonstrieren kann, ist's langweilig.

Gestern war der 17. November - für Griechenlands Gechichte ein bedeutendes Datum. Es steht für den Widerstand und die Revolte gegen die Militärjunta hier in Griechenland im Jahr 1973. Normalerweise ist an diesem Datum Vorsicht angesagt - zumindest in bestimmten Gegenden Athens, da die "Gedenkmärsche" regelmäßig in Straßenkämpfen mit der Polizei enden - gestern jedoch wurde die Stadt vom Schlimmsten verschont. Da es den ganzen Abend regnete, blieb es bei ein paar wenigen Molotowcocktails und Ausschreitungen vor der amerikanischen Botschaft. Trotz Regen marschierten jedoch Tausende durch die Hauptstraßen Athens - zur großen Überzahl mit kommunistischen Flaggen und Parolen. Das mit weit schlimmeren Ausschreitungen gerechnet wurde, zeigt der "Zustand" der Athener Innenstadt: Alle größeren Straßen und Hauptverkehrswege waren komplett gesperrt, Geschäfte schlossen ihre Türen schon sehr frühzeitig und verriegelt die Schaufenster mit Gittern oder Metallplatten. Vor wichtigen Gebäuden (und teuren Cafes und Hotels) stand das griechische Sondereinsatzkommando Spalier - mit Gasmasken und Feuerlöschern offenbar für's Schlimmste gerüstet. Ein bisschen unheimlich ist es schon, sich dann durch die Straßen Athens quer durch tausende Demonstranten den Heimweg zu bahnen - und nachdem ich im Supermarkt um die Ecke noch eine Gurke gekauft hab (ja, dass musste noch sein!), war ich dann auch ganz froh, als ich daheim ankam.

Ich jedenfalls werde nicht zum Kommunist, auch wenn ich mir das Plakat spaßeshalber im Zimmer aufgehängt hab. Vielleicht kann ich ja noch mehrere ergattern, ich sammel einfach so viele, bis die Kommunisten selber keine mehr haben - bis ich das geschafft hab', ist wahrscheinlich aber das "Kommunist sein" schon wieder out.

Jetzt fahr' ich aber erst mal an die Uni, denk über dies und das nach, und bin grundsätzlich erstmal dagegen.

Meine Zeilen des Tages:
Kommunist sollte man sein, einfach wär's dann.
Nicht jedem das seine, das Gleiche für jedermann.
Und toll ist's, weil man ist dagegen -
mit dem Staat kann man sich anlegen!

Doch was, wenn alle Kommunisten?
Ich selbst, Politiker und Polizisten?
Plötzlich ist man dann dafür und muss
brüllen und protestieren für den Kapitalismus!

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