Donnerstag, 9. Oktober 2008

Lebensphilosophie

Kein Wunder, dass das antike Griechenland so viele bekannte Denker hervorgebracht hat - wenn's damals genauso zuging wie heute. Ich bin z.B. der festen Überzeugung, dass Platon seine berühmten Sokrates-Dialoge, wie zum Beispiel Eutyphron, verfasst hat, während er in der Warteschlange für die Anmeldung zum Griechisch-Sprachkurs stand (-daraus müsste man auch folgern, dass Eutyphron nicht in Griechisch geschrieben wurde, und eine andere Ursprache zugrunde liegt. Meine Theorie aber an dieser Stelle ausführlich darzulegen, würde den Rahmen sprengen und den Sinn dieses Bloggs verfehlen). Jedenfalls hätte er genug Zeit dazu gehabt, denn "Organisation" ist für Griechen ein Fremdwort*. Nur ein Beispiel:

 200-250 Erasmus-Studenten wird vergangene Woche gesagt, dass man sich am Mi, 8.10; Fr 10.10 und Mo, 13.10 (natürlich jeweils von 11-13 Uhr - klar - nur da haben die Büros offen...) für die Griechischsprachkurse anmelden kann. An dieser Stelle eine kurze Frage: Wann werden wohl die meisten auftauchen, um sich anzumelden? Riiiiischtiiiiisch: Mittwoch, 8.10 um 11 Uhr. Aber - oh Wunder - anscheinend wurde in dem Büro nicht mit solch einem Ansturm gerechnet. 1 Person stand alleine Hinter der Glaswand und versuchte, die Anmeldungen abzufertigen (man sollte beachten, dass nicht nur Erasmusstudenten da waren, da es auch den normalen Büroöffnungszeiten entsprach...). Gut, später kam auch noch eine zweite Person dazu...Halleluia! Schneller ging's trotzdem nicht. Der Fabi war um 11.30 Uhr da. Hinten in der Schlange. Um Punkt 13 Uhr war ich der erste in der Schlange und war schließlich um kurz nach 13 Uhr für den Sprachkurs angemeldet. Toll, in der Zeit hätte ich auch chillen können...!

Aber hier braucht man eine andere Lebensphilosophie, im Land der Philosophen. Schrittweise werde ich versuchen, meine "Chillosophie" der griechischen Lebensweise anzupassen und - mit einem Gruß an Ben in Leipzig *hallöchen* - den Schmerz des Wartens als Chillen zu empfinden. Zeit hab ich ja genug. Ich bin mir sicher, dass allein die ewige Warterei Platon zu seinen Höchstleistungen getrieben hat. Denn: Wenn man wartet, macht man nichts. Und wenn man nichts macht, so tut man doch stets eines: Denken. Meine Vermutung ist, dass auch heute wie damals Griechenland ein Land der großen Denker und Philosophen ist. Nur, dass sie heute vielleicht eher Alltagsphilosophen sind und unentdeckt bleiben. Aber die ganzen Gedanken, die die Griechen beim Warten denken, können ja nicht alle sinnlos sein.

So verbleibe ich in der Hoffnung, dass auch ich - wenn ich das nächste Mal auf den Bus warte (heute war's ne halbe Stunde :-) - zu "Höchstdenkleistungen" komme... und vielleicht steht dann in eurem philosophischen Buchladen um die Ecke bald neben Platons "Politeia" Fabi's "Grundlagen der Chillosophie".

Meine Zeilen des Tages:

Warte, Warte! Dichte und denke,
wenn ich den Bus um die Ecke lenke.
Gedanken strömen von Ost nach West,
verseuchen die Luft wie stinkiger Asbest.

Ist's sinnvoll? Nein? Ja? Vielleicht?
Mal sehn ob's für ein Büchlein reicht.
Vielleicht ist's aber auch blöd wie nie -
und sie bringt nichts,
die griechische Philosophie...

*Moment...kommt das nicht aus dem Griechischen?

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Bedenke, daß die menschlichen Verhältnisse insgesamt unbeständig sind, dann wirst Du im Glück nicht zu fröhlich und im Unglück nicht zu traurig sein.
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Von einem berühmten Griechen - gemeint sind wahrscheinlich die griechischen Verhältnisselrdmpwv